Die Orbtalschule
Die Spessart-Klinik
| Lohnt sich die Ausbildung überhaupt? |
|
|
|
|
(Dr. med. Gottfried Ebenhöh, Ärztlicher Leiter) Ich möchte in meinem Beitrag einige Fragen beleuchten, die sich aus den Entwicklungen in den letzten Jahre ergeben haben und für unsere Einrichtung und unsere Schüler von Bedeutung sein werden. Unserer Schüler fragen immer häufiger: ist unser Beruf eine sichere Angelegenheit, lohnen sich die Ausbildung und meine Anstrengungen überhaupt? Wie ist der Stellung der Physiotherapie im Gesundheitswesen im Jahre 2006, im zehnten Jahr nach Gründung dieser Schule? Wir erleben ständige Sparappelle und dann auch Stellenstreichungen in nahezu allen Bereichen der Medizin. Die Politik und die Krankenkassen erschweren mit überbürokratischen Auflagen und strenger Budgetierung das Verordnungsverhalten der Ärzte und bewirken damit, daß Physiotherapie nach und nach immer weniger nachgefragt und verordnet wird. Die Kassen sind klamm im Gesundheitswesen. Und es wird natürlich dort gestrichen, wo es am wenigsten auffällt. Mit Rückenschmerzen kann man 100 Jahre alt werden, mit einem durchbrochenen Blinddarm, einem versagenden Herzen oder mit einem bösartigen Tumor wird das schwieriger. Wo die sozialen Versorgungssysteme auf den Prüfstand gestellt werden, werden auch Leistungen in Frage gestellt. In Holland ist Physiotherapie inzwischen keine Kassenleistung mehr und die Patienten müssen es aus eigener Tasche bezahlen. Die Kassen sind leer und das Geld sitzt nicht mehr so locker, sagt man. Wenn man aber ansieht, was samstags in den Supermärkten und bei lkea oder im MediaMarkt so los ist, zweifelt man, ob die Leute wirklich so wenig Geld haben. Ich denke, Geld ist noch da, es ist nur die Frage, wofür das Geld ausgegeben wird. Wir beobachten aber auch, daß viele Menschen immer mehr bereit sind, Geld aus der eigenen Tasche für ihre Gesundheit auszugeben, jenseits der Leistungrenzen der sozialen Gesundheitsversorgung. Wir als Lehrkräfte und Verantwortliche des Schulträgers müssen uns fragen: Was muß sich unter den vorhandenen Bedingungen an den Lehrinhalten und in der Ausbildung unserer Schüler ändern? Hilft eine Akademisierung weiter? Auf die letzte Frage wird im nächsten Vortrag sicher eingegangen. Als Vorteile der Akademisierung werden gesehen, daß z.B. der Abschluss als Bachelor auch international anerkannt ist und man den Beruf des Physiotherapeuten nach einer Ausbild in Deutschland im Ausland ausüben kann. Ein Studium stellt mehr Ansprüche an Selbstorganisation, Selbstreflektion und Einsatzbereitschaft. Es werden weiterführende Qualifikationen erworben und führen zu einer Horizonterweiterung z.B. in der Gesundheitspolitik und Gesundheitswissenschaften. Insofern ist der eingeschlagene Weg der Orbtalschule, die Assoziation oder Zusammenarbeit mit einer Fachhochschule zu suchen, zukunftsweisend. Was können und müssen wir unseren Schülern sagen? Was musst Du denn tun, um eine Chance in dem enger werdenden Markt zu haben? Die Antwort lautet einfach: gut, immer besser im Beruf zu werden. Die Patienten bewerten und entscheiden: bekomme ich schnelle und effektive Hilfe? Keiner wird monatelang Geld zu jemanden tragen, wenn ihm nicht geholfen wird oder es ihm nicht besser geht. D.h. lernen, sich weiterbilden, bereit sein, lebenslang zu lernen - das nächste Stichwort des heutigen Tages. Für die Physiotherapeuten wird es immer wichtiger, Befund, Verlauf und Ergebnis methodisch zu erfassen und dies validierbar zu machen. Solches muss vermehrt gelehrt und gelernt werden, um den Kostenträgern und Verordnern gegenüber den Nutzen des Handelns dokumentieren zu können. Insofern sind auch hier die Inhalte einer Akademisierung von Vorteil. Es wird immer unentbehrlicher, über den Tellerrand des Berufes zu schauen, um wahrzunehmen was um einen vorgeht und mit welchen Trends in Gesellschaft und Wissenschaft man rechnen muss. Diese Öffnungsfähigkeit muss ebenfalls gelehrt und gelernt werden Und dann die Arbeitszeit! Sich auf flexible und verlängerte Arbeitszeiten einzustellen, das gilt künftig für eine Tätigkeit in der Klinik wie schon in der Praxis. Physiotherapeut ist ein Beruf, der immer noch sehr umfänglich selbständig und in freier Praxis ausgeübt wird. Die Selbständigen unter ihnen können sich über den derzeitigen törichten Kampf um 18 Minuten mehr Arbeit am Tag sicher nur wundern. Was ist noch wichtig? An seinem Auftreten und seiner Persönlichkeit arbeiten, um für den Patienten etwas auszustrahlen und zu wirken! Physiotherapeuten bekommen wie Ärzte die Patienten, auf die sie wirken. Und das wirkt auch auf den Umfang des eigenen Geldbeutels, das können Sie mir glauben. Wenn wir von der Orbtalschule den Schülern oder Studenten zu solchen Eignungen und guten beruflichen Fertigkeiten weiter verhelfen können, wenn wir ihnen ihre soziale Verantwortung verstehbar machen wie auch die Pflicht zur prüfenden Betrachtung von sich selbst, dann bin ich davon überzeugt, daß der gute Ruf dieser Schule und der Bestand dieser Einrichtung eine der sicheren Angelegenheiten in Bad Orb sein wird. |


